Die Holzpuppe
Es war einmal eine Holzpuppe namens Tommy.
Sie wollte immer ein Mensch
sein.
Eines Tages traf Tommy die Bärin Mona.
Und obwohl sie nicht aus
Holz war, verliebte
sich Tommy auf den ersten Blick.
Schon bald verriet
ihm Mona ein Geheimnis:
Auch sie wollte gerne ein Mensch sein.
Jeden
Samstag gingen die beiden Hand in Hand vom Wald
ins Dorf, wo die Menschen
wohnten.
Begeistert betrachteten Mona und Tommy das geschäftige
Treiben
auf dem Marktplatz.
Wie schön wäre es doch auch ein Mensch zu
sein!
Mona war immer fasziniert vom Hellseher mit seiner großen
Glaskugel. Oft besuchten sie den noch jungen Mann vor sei-
nem kleinen
Zelt.
Eines Samstags, als sie wieder einmal an seinem Stand waren,
sah
Tommy etwas in den Augen seiner Bärin, das ihm nicht
gefiel. Für ihn stürzten
alle Sterne vom Himmel...
Doch er liebte sie so sehr, das er seinen
gekränkten Stolz
verschluckte.
Er gab dem Hellseher einen Taler und
bat ihn, die gemeinsame
Zukunft vorherzusagen.
- Und da sein Körper aus
Holz war, brauchte er auch kein
Lächeln zu fälschen -.
Was der Mann in
der Kugel sah, wird wohl für immer ein offenes
Geheimnis bleiben, doch er
gab dem Jungen aus Holz seinen
Taler zurück.
Tommy gab der verdutzten
Mona noch einen Abschiedskuss auf
die Nase und ließ die beiden
alleine.
Auf dem Nachhauseweg kam er am Brunnen vorbei. Er hielt
inne,
und schließlich schmiss er den Taler hinein...
Als Tommy am nächsten Tag
in seinem Heim im holen Baum
erwachte, waren seine Wangen feucht - das
konnten keine Tränen
sein - er war doch nur eine Holzpuppe...
In
seinem Garten befand sich ein kleiner Teich. Er lief hinüber
und sah sein
Spiegelbild: Er war ein Mensch!
Der Hellseher hat sein Zelt für
immer geschlossen.
Seit diesem Tag gibt es auch einen neuen Bären im Wald.
Die anderen Tiere wissen nicht, woher er kommt, aber alle mögen
ihn.
Auch gibt es einen neuen Dorfbewohner, man erzählt sich,
er käme aus dem
Wald - und auch er ist bei allen beliebt.
Ob Tommy wohl glücklich
geworden ist?
Die Sterne stehen gut...
Francis Craig
2005
