Die Weiße Kutsche
(Eine Verneigung vor E.A. Poe)
Es ward unterm kalten
Wintermond. jeder Atemzug gefror mir zu Eis.Meine Liebste war jüngst von dannen
gegangen im Kindesbett.
Alle Freud hatt' ich verloren, denn auch mein
Jüngster hatt' sie begleiten müssen in die Unendlichkeit.
Mein Klagen
bleib unerhört und aller Mut und Hoffnungen waren überschattet von dunklen
Wolken des Zweifels.
In meinem unendlichen Schmerz irrt' ich durch einen
Garten voll schwarzer Rosen.
Ich ward allein - beinahe, denn auch ein Rabe
lachte in stiller Trauer.
Vorbei der Sommer meines Lebens. Schande hatte
das falsche Lachen der Sonne
über mein Geschlecht gebracht.
Doch was war
das?
Mir war, als vernahm ich ein Hufgescharre, gar eine Kutsche. - Oder war
es nur der
Schlag des eigenen Herzens in seinem Gram?
Und obwohl meine
Lieder und mein Blick müde vom Leben waren, vernahm ich nun ein Licht. Jetzt,
jetzt konnte ich die Silhouette erkennen. es war so wunderschön:
Eine
prachtvolle weiße Kutsche, die sich stetig näherte...
Trotz dieser
eiseskalten Mitternacht ward mir unheimlich warm ums Herz.
Der Umriss wurde
größer; ein prachtvoller Zweispänner mit schwarzen Rappen,
doch ohne Fahrer.
Die Rösser machten halt vor meinen Stiefelspitzen, und aus dem Nebel drang
Gesang - süßer als jede Spätrebe.
Ich stieg ein - und wir waren zu
Hause.
Der Mensch, er mag auch noch so trauern, doch eines sei
gewiss:
Wo ich nun bin, gibt's keine Mauern,
die Ewigkeit mein
Domizil.
Francis Craig 2006
